BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen Factory-Outlet-Center in Werl
In einem offenen Brief an den zuständigen Minister Harry K. Voigtsberger sprechen sich die GRÜNEN aus der Region gegen das geplante Factory-Outlet-Center in Werl und im ländlichen Raum allgemein aus.
An das
Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr
des Landes Nordrhein-Westfalen
Harry K. Voigtsberger
Jürgensplatz 1
40219 Düsseldorf
05.12.2011
Sehr geehrter Herr Minister,
wir wenden uns mit einer Sorge an Sie, die nicht nur uns, sondern eine Vielzahl von Beteiligten und Betroffenen gleichermaßen plagt, und bitten Sie dringend um Unterstützung.
Es geht um ein geplantes Factory-Outlet-Center (FOC) in Werl. Am Autobahnkreuz A44/A445 soll mit 18.000 m2 Verkaufsfläche eines der größten Outletcenter Deutschlands entstehen. Auf einer Gesamtfläche von 80.000 m2 soll das Gebäude inklusive Parkplätzen entstehen, ein ungeheures Ausmaß von Flächenverbrauch, der den Zielen des Landesentwicklungsplanes widerspricht, Factory Outlets mit mehr als 5.000 m2 Verkaufsflächen nur in Gemeinden mit mehr als 100.000 Einwohnern zuzulassen. Diese Regelung wurde leider vom OVG Münster für nichtig erklärt, weil sie das Recht auf kommunale Selbstverwaltung verletze. LEPro § 24a Abs. 1 Satz 4 sei verfassungswidrig.
Mit diesem Urteil setzt ein selbstmörderischer Verdrängungswettbewerb der Kommunen ein, der unsere Innenstädte weiter ausbluten wird und zu Leerstand und weiterer Verödung führen wird.
Outlet-Center ziehen vielleicht KundInnen aus weiterer Entfernung an, solange es kein näheres Einkaufsziel dieser Art gibt, aber eben auch viele KundInnen aus der Umgebung, die damit dem örtlichen Handel fehlen. Diese weitere Belastung neben der zunehmenden Konkurrenz des Internethandels wird dem stationären Einzelhandel weitere Luft zum Existieren nehmen.
Das FOC soll auf guten Ackerböden entstehen, direkt an der A 44. Das hätte einerseits den Verlust wichtiger landwirtschaftlich genutzter Fläche zur Folge als auch zusätzliche Umweltbelastung durch den Individualverkehr der Kunden, die erfahrungsgemäss mit dem PKW anreisen. Beide Folgen sind unerwünscht.
Ein solcher dezentraler Standort konterkariert alle Bemühungen der Städte zur Stützung ihrer Zentren. Viele Kommunen bemühen sich seit Jahrzehnten mit Einzelhandelskonzepten und ähnlichen Steuerungsinstrumenten um den Erhalt und die Attraktivität ihrer Innenstädte, dies auch oft mit finanzieller Unterstützung des Landes. Die Ansiedlung eines FOC dieser Größenordnung wäre ein Schlag ins Gesicht aller AkteurInnen.
Wir bitten daher und fordern Sie auf:
Setzen Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten gegen die Ansiedelung des FOC in Werl ein!
- Setzen Sie sich mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten gegen die Ansiedelung des FOC in Werl ein!
- Schaffen Sie eine rechtssichere Rahmengesetzgebung, die die Ansiedlung dieser überdimensionierten und destruktiven Handelsprojekte im ländlichen Raum verhindert!
- Treten Sie für eine nachhaltige Landesentwicklungsplanung ein und verhindern Sie den irrwitzigen Flächenverbrauch und die Ressourcenverschwendung dieser Planung!
Unterzeichner:
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in
ARNSBERG Thomas Wälter
ENSE Marc Teuber
FRÖNDENBERG Andrea Molitor
HAMM Siegbert Künzel
ISERLOHN/HEMER Denis Potschien
LIPPSTADT Ursula Jasperneite-Bröckelmann
MENDEN Ingrid Ketzscher
SCHWERTE Monika Demant
SOEST Werner Liedmann
SUNDERN Anke Rose
UNNA Herbert Goldmann und Friedrich Ostendorff, MdB
WARSTEIN Dagmar Hanses, MdL
WERL Konstanze Kubath
WICKEDE Lothar Kemmerzell





